Ballade vom Lebensmüden
Müde schlürft er über das Parkett,
Als wär’ das Kriechen des Menschen Gang,
Noch mit dem anatomischen Zwang
Auf fast jedem zweiten Brett
Zu verschnaufen, minutenlang.
Wahrlich fällt es ihm nicht leicht
Die schweren Glieder zu heben,
Die wie durch Kleister am Boden kleben,
Als er den Läufer im Flur erreicht.
Ach, könnt er nur hinüberschweben!
Mit Ausdauer nun, aber schwindender Kraft,
Sich seine Füße, wie Räder von Mühlen,
Einen Weg durch die Wollhürde wühlen
Bis er es zu deren Ende schafft,
Um dorten das Gute einer Pause zu fühlen.
Seine Arme mitsamt den Händen
Nur nutzlos an seinen Schultern hängen,
Ja, unartig fast zum Boden hindrängen.
Und weil sie zu toten Objekten verenden,
Sie auch sein Tun und Handeln einengen.
So öffnet er in seiner Not
Die Tür zu seinem geräumigen Sarg,
Erwartet, weil das Dasein schwer und karg,
Nun endlich den erlösenden Tod,
Der sich bis dato in der Ferne verbarg.
Und groß ist der Ernüchterung Qual
Als er in mein freundliches Lächeln blickt,
Ihm ein leidvolles Stöhnen entrückt,
Weil ich doch seine Befreiung stahl,
Um die er so viele Gebete geschickt.
Seine Augen, müde und leere,
Sich schmerzlich nach oben drehen,
Wollen mich einzig im Totenreich sehen,
Wo das Fegefeuer meine Seele verzehre
Und Winde meine Asche fortwehen.
Und versucht er mich mit derben Worte’,
Die seinem trock’nen Mund entfleuchen
Auch von seiner Schwelle zu scheuchen,
So bleib ich standhaft an jenem Orte,
Muß ihn wohl gänzlich enttäuschen.
„Wollt ich Gevatter Tod hereinbitten,
Mußt Du mir nun den Tag verderben.
Laß mich endlich in Ruhe sterben,
Lang genug schon habe ich gelitten,
Mein Leben ist ein Feld voller Scherben!
Warum bringst Du es nicht über Dein Herz,
Mich doch endlich in Frieden zu lassen,
Oder hilf mir in Bälde zu erblassen
Zu beenden Qual und Schmerz,
Die mich so penetrant erfassen!“
Sein Kopf, ganz wild und ungepflegt,
Langsam auf die Brust niedersinkt,
Er sichtlich mit den Tränen ringt
Und sich aufzugeben nun hegt,
Weil ihm nichts zu seiner Rettung gelingt.
Teils mitleidig und teils entsetzt
Schau ich auf dieses Häufchen herab,
Als an Elend reich und Würde knapp
Er sich zu meinen Füßen setzt,
Die Knie weich, die Muskeln schlapp.
„Oh, hilf mir diese üble Schmach,
Diese Lebensfesseln zu überwinden
Und den Weg in die Hölle zu finden,
Ja, in des Teufels feuriges Gemach.
Will mich nicht länger durchs Diesseits schinden!“
„Unglücklicher, beginn Dich wieder zu besinnen,
Fast ekelt und widert es mich an,
Wie man sich so schamlos gehen lassen kann.
Schalke wird auch wieder gewinnen,
Und sei’s in der Ferne irgendwann!“ |